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Bürokratie in Griechenland


Die Sache mit dem Einklarieren ist schon eine Story für sich. Es gibt eine Story von Asterix & Obelix in Griechenland auf dem Amt. Genau so isses ;-) https://youtu.be/NQV6PA6BOVE

Wir "wussten" genau, wo wir anlegen konnten und wo das benötigte Hafenamt war, weil das in unserem Hafenführer stand. Also haben wir in einem Seitenarm vom Stadthafen Korfu angelegt, schön von der Seite, wie wir das mögen. Thorsten ist dann losgestiefelt Richtung Hafenamt, ich habe das Boot gehütet. Wir hatten plötzlich ziemliche Wellen, so dass ich noch ein paar Fender auf die Seite der Kaimauer gehängt habe, damit das Schiff keinen Schaden nimmt.

Dann rief Thorsten an - ziemlich verzweifelt: das Hafenamt ist nicht da wo es sein soll, der Geldautomat spuckt kein Geld aus und das Google-maps geht nicht, weil das Internet soo schwach ist. Kannst du kommen? Bring Geld und Visa-Karte mit.

Also habe ich mich auf den Weg gemacht, unterwegs auch kein Geld am Geldautomaten bekommen und habe dann Thorsten mehr zufällig bei der Port Authority getroffen. Dort hatte man ihm mitgeteilt was weiter zu tun war - Passkontrolle und Customs (ich weiß immer noch nicht was das ist) da muss jeweils ein Formular ausgefüllt und abgestempelt werden. Über ein online-Formular mussten 33,00 Euro überwiesen werden. Und außerdem sei die Deckung unserer Bootsversicherung für Griechenland nicht ausreichend, was umgehend zu ändern wäre.

Mein Mann hatte jetzt ausgesprochen schlechte Laune, weil einfach gar nichts funktionierte.

Mit viel Geduld und positiver Ausstrahlung :-) habe ich ihn dazu gebracht 1. mal was zu trinken und 2. sich mal hinzusetzen, um mit der Versicherung zu telefonieren. Ich habe in der Zeit mit der Bank telefoniert. Beides erfolgreich - die Versicherung war in entsprechender Höhe und andere Bankautomaten sollten eigentlich mit der vorhandenen Karte funktionieren, was sie dann auch taten. Also suchten wir nun die Port authority wo Pässe kontrolliert und ein weiterer Stempel zu bekommen war. Alle waren äußerst barsch und sich ihrer Macht sehr bewusst. Wir wurden aufgefordert uns zu setzen und zu warten. In der Zeit füllte Thorsten das besagte Online-Formular aus und ich bezahlte die Gebühr. Dann wagten wir uns nochmal vor die Zimmertür der Passkontrolle... "Warten Sie, setzen Sie sich!!!" Nebenan war "Customs". Da hab ich mal die Nase reingesteckt: "Warten Sie, setzen Sie sich!!!" Dann kam eine Dame raus und hatte Herz und fragte was wir denn wollten. Ich hab ihr unseren Zettel gezeigt. Sie hat gelacht, wieder rein ins Zimmer und nach 1 Minute hatten wir unseren Stempel. Nicht nachvollziehbar, aber egal. Die Pässe waren auch irgendwann kontrolliert und der 2. Stempel auf dem Zettel.

Jetzt damit wieder zum Hafenamt. Aber wie sollten wir alles nachweisen? Vor allem die Versicherungssache??? Ich hatte einen Plan. Da die Dame am Schalter mit Thorsten sehr ungeduldig und schroff umgegangen war, bin ich diesmal vor ihr Fensterchen getreten und habe gesagt, dass ich meinen Mann nun unterstützen würde. Zuckersüß versteht sich - so von Frau zu Frau.

Ich habe ihr unser wunderbar gestempeltes Formular gegeben und sie direkt in eine nette Unterhaltung verwickelt, in der es darum ging wie Freunde von uns denn am nächsten Tag einklarieren könnten, ohne all diese Umwege und Schwierigkeiten zu haben. Das hat sie mir dann recht nett erklärt. Und wo ist ihre Überweisung? Ich hatte ein pdf erzeugt und zeigte es ihr. Ich sollte es an ein mail-Adresse schicken, dann könne sie es ausdrucken und wir müssten es bei den Schiffspapieren haben. Gesagt getan. Nach einem kleinen Tratsch mit anderen Menschen, und dem Hinweis an weitere Bittsteller das Gebäude zu verlassen, weil es zu voll wäre: "Warten Sie!!" ging sie ins Nachbarzimmer und kam mit dem Ausdruck wieder. Prima. Woher wir denn gewusst hätten, dass 33,00 Euro zu bezahlen waren. Das stand im online-Formular, das wir ausfüllen sollten. Aha. Wäre eine 12stellige Nummer drauf, die bräuchte sie. Wir konnten wieder ein pdf erzeugen, eine Mail schicken und sie das Zimmer wechseln, die Mail ausdrucken (Kostet 3,00 Euro) und nachdem wir noch weitere 15,00 Euro bezahlt haben (wofür?) waren wir schon fertig! Mit der Ermahnung das nächste Mal damit 10 Tage vorher zu beginnen, dann wäre das ganz einfach. Diese Info kam für unsere Freunde am nächsten Tag dann auch zu spät.


Die ganze Prozedur hat 3 Stunden gedauert.


Wir waren fertig und hungrig und sind erstmal in die nächste Taverne eingekehrt. Lecker wars. Nun mussten wir ja nur noch aus dem Hafen verschwinden, 1 Stündchen fahren und in einer schönen Bucht, geschützt vor dem aufkommenden Nordwind uns von allem erholen.

Vorher noch schnell was einkaufen war der Plan. So ging Thorsten schonmal Richtung Boot und ich Richtung Supermarkt. Auf halbem Wege ein Anruf von ihm: "Komm schnell, sonst ist unser Boot nur noch Schrott." Dann bin ich gelaufen...


Der Wind hatte das Hafenbecken in eine brodelnde Masse verwandelt. Unser Boot tanzte an der Kaimauer auf und ab und Thorsten versuchte verzweifelt mit Fendern Schaden abzuwenden.

Schon auf des Boot zu steigen erwies sich als Kunststück. Dann haben wir in bestem Teamwork abgelegt. Thorsten hat die Motoren angeschmissen, ich die Leinen gelöst und wieder mit Fendern hantiert. Dann sind wir durch dieses unruhige Wasser hinaus aufs Meer, wo es nicht viel besser war. Aber immerhin waren dort keine Mauern, an denen das Schiff kaputt gehen konnte. Im ganzen Boot war alles durcheinandergekullert. Dinge lagen auf dem Boden, ein großes Chaos. Allerdings ist alles heile geblieben, soweit sich das zu dem Zeitpunkt beurteilen ließ. Draußen konnten wir erst später gucken. Bei dem Seegang haben wir uns auf das Wesentliche konzentriert und alles andere auf später verschoben.


Die von uns anvisierte Bucht war schon ziemlich voll und auch das Ankern erwies sich als schwierig. Irgendwie machte das Boot nicht ganz was es sollte, der Ankergrund hielt nicht vernünftig. Beim 3. Versuch waren wir dann endlich fest und zufrieden. Und total k.o.

Erstmal ein Ankerbier - dieses Ritual lassen wir uns nicht nehmen. Und dann mal durchatmen und versuchen zur Ruhe zu kommen. Dann die Schäden betrachten. Wir haben wirklich viel Glück gehabt. Die Scheuerleiste hat ihren Namen verdient und das Meiste eingesteckt und vom Rumpf abgehalten. Sie ist halt etwas zerkratzt.

Innen war eine Bierflasche aus dem Kühlschrank gefallen, die Treppe zu unserem Schlafzimmer runter und hatte dort ihren Inhalt versprüht. Aber glücklicherweise im ganzen Boot keine Scherben und außer Unordnung keine Schäden.

Was uns dann mehr Gedanken machte, war das das Boot scheinbar doch noch Probleme mit dem Motor hatte. Sollte das denn nie aufhören?

Reichlich unentspannt sind wir an diesem Abend ins Bett gefallen.




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